Liebe zum HUND – Liebe zur KUNST

DIE SAMMLUNG Dr. FLEIG

Sonderausstellung 2008/09 

 

Die Jagd mit Hundemeuten

Die Jagd auf großes wehrhaftes Wild war bis ins 19. Jahrhundert, als die modernen Feuerwaffen erfunden wurden, eine Jagd mit Hunden. Durch ihre Schnelligkeit und Kraft waren die Wildtiere den Jägern weit überlegen und nur sehr schwer zu stellen und zu erlegen. Waren ursprünglich verschiedene Fangtechniken entwickelt worden, setzte sich vor allem beim Adel immer mehr die Jagd mit Hundemeuten durch. Gute Meuten waren ein Garant für den Jagderfolg und erhöhten das Ansehen des Jagdherren.

 

 

 

 

 

 

 

Schäden, die durch Wildtiere verursacht wurden, die Verwüstung von Feldern oder das Reißen von Haustieren, führten zu immer intensiverer Verfolgung mit teilweiser Ausrottung von Wildrindern, Bären, Luchsen und Wölfen in weiten Teilen Europas. Zudem bot die Jagd auf gefährliches Wild die Möglichkeit, die Tapferkeit der Jäger und die Tüchtigkeit der Hunde unter Beweis zu stellen. Abenteuerlust und die Freude am „Jagdspektakel“ waren zusätzliche Motivationen, die Jagd mit Hundemeuten zu betreiben. Die Jagd mit Hunden wurde auch als Kampf der dem Menschen dienstbaren Natur - in Gestalt der Hunde - gegen die rohe ungezügelte Natur - in Gestalt der Wildtiere - verstanden. Erst die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften führten dazu, dass moralische Begriffe wie „Bosheit, Hinterlist, Raubgier“ u. v .a, die noch in den Bildtexten Ridingers vorkommen, allmählich nicht mehr auf das Wild angewendet wurden.

Für die Meutejagd wurden verschiedenste Hunde verwendet. Je nach Wildart stellte man Meuten zusammen, die für die Bejagung geeignet waren. Kriterien für einen guten Jagdhund waren Schnelligkeit, Ausdauer und Angriffslust. „Hatzhunde“ wurden auf Schlachtvieh oder gefangene Bären gehetzt, damit sie für die Jagd in freier Wildbahn „Erfahrungen sammeln“ konnten.

 

 

 

 

 

 

 

Zu den häufigsten Jagddarstellungen mit Hundemeuten zählen Bildwerke  von Bären- und Sauhatzen. Der Bär als größtes Raubtier Europas stellte eine echte Herausforderung dar. Beim Wildschwein, das einmal gestellt ein gefährlicher Gegner für die Hunde war, spielte auch das Wildbret eine wichtige Rolle. Über die Hunde gibt wieder einmal Johann Elias Ridinger in den Texten zu seinen Kupferstichen Auskunft. Zu den Hunden für die Bärenjagd schreibt er: „….. auch da er so hertz- und wehrhafft ist, so gehören die stärckste hunde vor ihne zum anfallen, packen und halten; Die große Englische Docken, dieBaehrenbeisser und starcke Pommerische Rüden sind die besten, nur das sie zwar zum haetzen auch einander zu secundiren wohl abgerichtet sind, den Baehren an den ohren, oben auf dem nacken, unten an der drossel, auch wohl an der Schnauze zu packen, damit ihme der Fang oder schuß, der guten hunde zu schonen, und nicht so viele zu schand geschlagen, getrückt oder zerissen, gut angebracht und erlegt werden kann.“

 

Dass viele Hunde bei diesen Jagden verletzt oder getötet wurden, wird in Schriften erwähnt und lässt sich gut auf den Bildern erkennen. In der Regel ist der Moment dargestellt, in dem das Wild von den Hunden gestellt und angefallen wird. Der sich nun entwickelnde Kampf erscheint als Höhepunkt eines dramatischen Jagdereignisses. Dementsprechend sind auch die Bildkompositionen. Im Zentrum steht das Wildtier und versucht sich mit allen Mitteln gegen die angreifende Meute mit weit aufgerissenen Fängen zu verteidigen. Schwer geschlagene Hunde gehören wie selbstverständlich auch dazu.

In der Sammlung Dr. Fleig befinden sich eine Reihe künstlerisch hochwertiger Gemälde und Grafiken  von Meutejagden. Auch viele namhafte Künstler haben sich mit diesem Thema beschäftigt. Vor allem die „Sauhatz“ ist ein beliebtes Motiv der Kunst bis etwa 1900. Danach werden nur noch vereinzelt, bedingt durch eine neue Jagdethik und neue Aufgaben der bildenden Kunst, Jagdszenen dieser Art dargestellt.

Anton Schoberwalter

Europäisches Hundemuseum