Liebe zum HUND – Liebe zur KUNST

DIE SAMMLUNG Dr. FLEIG

Sonderausstellung 2008/09 

 

„Die Jagd auf den edlen Hirschen“

Zu den ältesten Jagddarstellungen überhaupt zählen Hirschjagden. Schon auf vorgeschichtlichen Höhlenmalereien werden Hirsche auf Jagdszenen dargestellt. Dieses Wildtier scheint schon immer auf Jäger eine besondere Faszination ausgeübt zu haben. Schriften und Bildwerke zu den verschiedenen Formen der Hirschjagd gibt es aus allen Kulturen und Zeiten in großer Anzahl. Meist spielen hier Hunde eine ganz besondere Rolle. Anders war dem Hirsch wohl kaum beizukommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Sammlung Dr. Fleig gibt es eine Reihe höchst bemerkenswerter Arbeiten, die die Jagd auf den Hirsch unter verschiedenen Aspekten beleuchten. Jäger und Hunde werden als Hauptakteure der Jagd gern dargestellt. Die Hirschjagd galt schon immer als besonders vornehme Jagd. Es war das Privileg der adeligen Jagdherren auf den „edlen Hirschen - das königliche Wild“ zu jagen. Besondere Tüchtigkeit bei der Jagd rechtfertigte den Machtanspruch des Herrschers.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde dem Zeremoniell der Hirschjagd und den Leistungen der Hunde immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Gute Hunde waren Garanten einer spannenden Jagd. An vielen Fürstenhöfen wurden Meuten mit einer großen Anzahl von Hunden gehalten, damit immer genug gute Hunde zur Verfügung standen. Anders als bei den Hundemeuten für die Jagd auf Bär oder Wildschwein wurden die Hirschhunde von eigenen Bediensteten betreut und ausgebildet. In der Zucht wurde besondere Sorgfalt auf ein ansprechendes Äußeres und hohe Leistungsfähigkeit gelegt.

 

 

 

 

 

 

 

Ihren Höhepunkt erreichte die Hirschjagd im Barock mit der Parforcejagd. Mit enormem Aufwand wurden große Jagdgesellschaften organisiert. Diese Jagden dienten in besonderem Maß auch Repräsentationszwecken. Besonders wichtig war dabei die Arbeit der Hunde. Vor allem in Frankreich und England wurden gute Parforcehunde gekauft und die eigenen Zuchten damit verbessert. Über englische, französische und deutsche Parforcehunde schreibt 1738 Johann Elias Ridinger: „ … Wann sie auf der Spuhr angebracht worden / halten sie dieselbige gar richtig / und wissen dem Hirschen so accurat zu folgen / daß er ihnen gar schwerlich entkommen kann. Sie zeigen durch das Anschlagen der Stimme denen Nachfolgenden / daß sie den Hirsch im Gesicht haben / heulen auch wohl aus Gram / wann sie ermüdet und nicht fort können / sie wissen nach dem laut des Waldhorns und der Stimme des Piquiers sich sehr wohl zu richten. Die Englisch und Frantzösische werden wegen ihres starcken Lauts / Schönheit und guter Abrichtung vor die besten gehalten / doch sollen die Teutsche länger aushalten können.“

 

Die Hirschjagd mit Hundemeuten war aber nie unumstritten. Schon im Mittelalter wurde die Jagdlust der herrschenden Schicht kritisiert und in den Leiden der gehetzten Kreatur eine Metapher für den Leidensweg Christi gesehen. Zudem wurden durch die berittenen Jäger nicht unerhebliche Schäden auf den Feldern der Bauern, die auch Jagddienst leisten mussten, angerichtet. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verliert vor allem die Parforcejagd an Bedeutung. Eine sehr beeindruckende literarische

Kritik ist das „Schreiben eines parforcegejagten Hirsches …..“ von Matthias Claudius (1740 – 1815):

„Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr!

Ich habe heute die Gnade gehabt, von Ew. Hochfürstlichen Durchlaucht parforcegejagt zu werden; bitte aber untertänigst, daß Sie gnädigst geruhen, mich künftig damit zu verschonen.

Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sollten nur einmal parforcegejagt sein, so würden Sie meine Bitte nicht unbillig finden. Ich liege hier und mag meinen Kopf nicht aufheben, und das Blut läuft mir aus Maul und Nüstern. Wie können Ihre Durchlaucht es doch übers Herz bringen, ein armes unschuldiges Tier, das sich von Gras und Kräutern nährt, zu Tode zu jagen? Lassen Sie mich lieber totschießen, so bin ich kurz und gut davon. Es kann sein, daß Ew. Durchlaucht ein Vergnügen an dem Parforcejagen haben; wenn Sie aber wüßten, wie mir noch das Herz schlägt, Sie täten´s gewiß nicht wieder …….“

Anton Schoberwalter

Europäisches Hundemuseum