Liebe zum HUND – Liebe zur KUNST
DIE SAMMLUNG Dr. FLEIG
Sonderausstellung 2008/09
Bärenbeißer und Bullenbeißer
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Für die Jagd auf die größten Wildarten Europas, den Bär und das Wildrind, wurden seit jeher große kräftige Jagdhunde gezüchtet. Ihre Namen weisen sie als die Kämpfer an der Seite des Jägers und seine wichtigsten Helfer bei der Jagd aus. Wenngleich nicht so angesehen wie die Windhunde, waren Bärenbeißer und Bullenbeißer, sowie die „Jagd“ mit ihnen, doch häufige Themen der Literatur und der bildenden Kunst. |


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In der Sammlung Dr. Fleig befinden sich eine ganze Reihe hervorragender Arbeiten, die den Einsatz dieser Hunde zum Thema haben. Auf den Bildern ist in der Regel der Moment festgehalten, in dem das Wildtier von den Hunden gestellt und angefallen wird. Die Jäger sind, wenn überhaupt, nur im Hintergrund dargestellt und warten, bis die Hunde ihre Arbeit verrichtet haben, um das erschöpfte Wildtier relativ gefahrlos töten zu können. Die Hunde sind in der Regel sehr groß und kräftig, von verschiedener Farbe und schier unbändiger Wildheit. Ein weit aufgerissener Fang, der ein mächtiges Gebiss erkennen lässt, und funkelnde Augen lassen sie fast dämonisch erscheinen. Die Bildkompositionen sind äußerst bewegt und unterstreichen die Dramatik des Geschehens. |


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Nachdem Wildrinder und bald auch Bären in der feien Wildbahn kaum noch anzutreffen waren, bekamen Bärenbeißer und Bullenbeißer bei den so genannten „Kampfjagden“ ein neues Betätigungsfeld. Wildtiere wurden in Tiergärten gehalten und bei diversen Anlässen, zum „Vergnügen“ des Publikums, von Hunden in einem abgeschlossenen Areal gehetzt. |


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Hans Friedrich Freiherr von Flemming schreibt in „Der vollkommene Teutsche Jäger“ (1719) über die die Ausbildung der Hunde zur Bärenhetze, nachdem man sie zuvor an „mäßigen Sauen“ eingearbeitet hat: „Endlich lässet man sie an kleine Bären, und weiset sie an, ..... , daß sie an den Ohren anfassen, will gleich solches sofort nicht angehen, muß man dieselben, weil sie sich fest einbeissen und verfangen, geschwind mit einem Knebel, oder besser mit einer starken rauchen Gänsefeder, oder Rütchen in die Kehle oder Gurgel kitzeln, als dann lassen sie selbst loß und kann man sie hernach zu rechte weisen, so fassen sie ein ander mahl nach Verlangen besser an.“ Über die Bullenbeißer schreibt Flemming: „ ….. wo die Bäre selten, pflegen manche Herrschaften darmit Stiere, Ochsen, oder Bollen zu hetzen, welches aber eine Übung, so mehr denen Fleischern, als Jägern anständig, und mir unbekannt ist, als der ich nur von wilden Thieren zu schreiben willens bin.“ Damit ist der Hinweis gegeben, dass Kämpfe von Hunden gegen Stiere damals durchaus üblich waren. Man war auch der Meinung, das Fleisch schmecke besser, wenn das Rind vor der Schlachtung gehetzt wurde. |


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Von Bullenbeißern enthält die Sammlung Dr. Fleig viele bemerkenswerte Skulpturen und Grafiken. Es sind durchwegs Hunde von wuchtiger Erscheinung, meist mittelgroß und kräftig, mit einem breiten Fang mit Vorbiss. Besonders beeindruckend sind die Skulpturen mit eingesetzten Glasaugen. Der Blick dieser Augen unterstreicht die zeitgenössischen Berichte über die Wildheit dieser Hunde.
Über die Verwendung von Bullenbeißern als Wachhunde, ihr Aussehen und über ihre Pflege schreibt Flemming: „Sonsten sind auch diese Hunde, weiln sie von böser Arth, starck von Leibe und einen guten Laut haben, am nützlichsten zu guten Hoff- und Ketten-Hunden zu gebrauchen, indem dieselben sehr wachsam und alles grimmig anfallen, was sie vermercken ….. . Diese Hunde sind meistentheils von kurtzen Nasen und schwartz umb das Maul, die Unterlippen stehen vor, sind gelbliche oder braunstreiffigt an Farbe und sehen mit denen Augen sehr unfreundlich und launisch aus. Sie liegen ….. auf solchen Lagern an festen Ketten, dass sie einander nicht erreichen können und müssen alle Wochen zum wenigsten einmahl ihr frisches Stroh bekommen, damit sie nicht räudig werden, und einander schändlich anstecken, auch müssen öfters diese ….. durch hierzu bestellte Bauern ausgeführet werden. Sonsten werden dieselben zu steiff und verliegen sich.“
Anton Schoberwalter Europäisches Hundemuseum |